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Dankbarkeit als Anstoß zu neuer Stiftung

Kirche: Ehemaliger Südzucker-Vorstand Karl Schneider und seine Frau wollen nicht nur ihrer Gemeinde nachhaltig helfen

Die Idee haben sie an ihrem 50. Hochzeitstag geboren und dann gleich realisiert: Das Ehepaar Renate und Dr. Karl Schneider aus der Oststadt rief die "Stiftung Christuskirche - Kirche Christi" ins Leben und stattete sie mit einem ansehnlichen Vermögen aus. Nach einem Jahr Arbeit in aller Stille tritt sie nun, mit dem am Sonntag im Gottesdienst erscheinenden Gemeindebrief, erstmals an die Öffentlichkeit und wirbt gleichzeitig um weitere Zustiftungen - wovon Traudel Engelhorn gleich die erste zusagte.

"Der Stadt etwas zurückgeben"

"Dankbarkeit für 50 Jahre Gottes Geleit" - so begründet Dr. Karl Schneider, in Mannheim als ehemaliger Vorstandssprecher von Südzucker (1982 bis 1993) bekannt, die Stiftungsgründung. "Es ist privates Geld, das wir auch anders ausgeben könnten", ergänzt seine Frau, "aber es geht uns gut, wir haben uns etwas aufgebaut, haben etwas angespart, und möchten der Gesellschaft und der Stadt, die uns eine Heimat geworden sind, etwas zurückgeben", nennt Renate Schneider ihr Motiv.Dabei waren ihre Eltern aus der Kirche ausgetreten. Der Vater fiel im Krieg, und nach 1945 habe sie mit ihrer Mutter auf einem unbeheizten Heuboden in der Nähe von Fulda gewohnt und es "sehr, sehr schwer gehabt". Aber dann war da die Kirche, die ihr Heimat, die ihr Geborgenheit bot. Sie ging zur Konformation, und der damalige Pfarrer, "der hat uns aufgefangen - es gab ja sonst nichts."Diese bittere Zeit prägte sie ebenso wie ihren Mann. Als kleiner Junge war er, in der Nähe von Hannover aufwachsend, mit dem Sohn eines Pfarrers befreundet und daher oft in einem Pfarrhaus zu Gast. 1945 sollte er, gerade mal Seekadett geworden, mit dem letzten Aufgebot Berlin verteidigen, kam aber durch glückliche Fügung mit dem Leben davon, einige Jahre später wurde er von einer schweren Krankheit völlig geheilt: "Das sind prägende Eindrücke!"

Dann kam das Jahr 1982. Zuvor Direktor der Zuckerfabrik im fränkischen Ochsenfurt, wurde Schneider nach Mannheim in den Südzucker-Vorstand berufen, erlebte erstmals den Weihnachtsgottesdienst in der Christuskirche - und der hat ihn überwältigt: "Das war fast ein Erweckungserlebnis", gesteht er.

Ausstellung zum Jubiläum

Seither engagiert sich das Ehepaar für die Christurkirche. Er führte 15 Jahre den Vorsitz der Gemeindeversammlung und leitet den Förderkreis, über den die Gemeinde eine Vikarstelle selbst finanziert. Renate Schneider, die sich schon in Ochsenfurt in der Gemeinde einbrachte und dazu sogar eigens ein Fernstudium in Erwachsenen- und Altenbildung absolvierte, rief in der Oststadt einen Seniorengesprächskreis ins Leben, gehörte vier Amtsperioden lang dem Ältestenkreis an, war mit Wegbereiterin des Bildungszentrums Sanctclara und gab über den Gottesdienstausschuss viele neue Impulse.

Die eigene Goldene Hochzeit und das bevorstehende Jubiläum "100 Jahre Christuskirche" gaben den Anstoß, der Gemeinde über eine Stiftung nachhaltig zu helfen. "Wir wollen einen Beitrag leisten, dass dieses Jubiläum ein Fest des Dankes für die Bewahrung in schwerer Zeit, die Freude über eine lebendige Gemeinde wird und Zuversicht für das neue Jahrhundert verheißt", so Dr. Karl Schneider, dessen besondere Herzensangelegenheit eine Ausstellung "100 Jahre Christuskirche" in den Reiss-Engelhorn-Museen ist. "Aber wir wollen über die Kuppel der Christuskirche hinaus wirken", hebt Renate Schneider hervor. Zwar profitierte bisher überwiegend die Christuskirche, von der Kirchenmusik über eine neue Küche für den Kindergarten bis zu neuen Silbertellern für das Abendmahl.

Hilfe auch im Jungbusch

Aber die Stiftung gab auch Geldspitzen für die ökumenische Hospizarbeit und das Arbeitslosenzentrum, finanziert im katholischen Kindergarten St. Alfons im Jungbusch das Mittagessen mit. Dabei ist dem Ehepaar wichtig, nicht einfach nur Geld zu geben, sondern sich die Projekte anzusehen und sie zu begleiten. "Es ist auch schön, im Alter noch so eine Aufgabe zu haben", so Renate Schneider. Sie hofft nun nur noch auf weitere Zustiftungen, "denn man kannnoch so viel Gutes tun!"

© Mannheimer Morgen 25. September 2010 von unserem Redaktionsmitglied Peter W. Ragge

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